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Zu Christi Himmelfahrt, 13.5.2021

Liebe Leserin, lieber Leser!
„Christi Himmelfahrt“ braucht Deutung. Allein das Wort Himmelfahrt weist darauf hin, dass sich der auferstandene Christus vom lebendigen Menschen Jesus gelöst hat.
Ursprung der Entwicklung war natürlich Jesus. Jesus war die Ursache, dass Menschen, die ihn erlebt hatten, annahmen, dass mit seiner Person etwas von Gott auf die Erde gekommen sei. Insofern war sein Tod, ganz abgesehen von der unvorstellbaren Grausamkeit der Kreuzigung, ein Schock: Wie sollte Gott jetzt noch bei uns sein, fragte man sich. Hier liegt die Wurzel des Auferstehungsglaubens: Irgendwie spürte man auch nach Jesu Tod noch den nahen Gott. Wie genau sich das anfühlte, bleibt, allen biblischen Berichten zum Trotz, ein Geheimnis. Spätestens jetzt wurde für die Menschen seiner Umgebung aus Jesus der Christus, der Gesandte Gottes.

Der Glaube, dass Gott nahe ist, verschwand also auch nach dem Tod Jesu bei seinen Anhängern nicht. Nur wurde sie nicht mehr wahrgenommen in einem lebendigen Menschen. Gott wurde in einem religiösen Gefühl gegenwärtig, das sich in der Erinnerung an den lebendigen Jesus ganz massiv einstellte. Indem man eines Tages Kirchen baute, wollte man diesem religiösen Gefühl einen angemessenen und würdigen Raum geben. Besonders verständlich lässt sich das heute noch an gotischen Kathedralen mit ihren hohen Pfeilern und funkelnden Lichtfenstern nachvollziehen. Aber auch diese kleine Lukaskirche mit ihrem bergenden Charakter wollte schon immer Menschen eine Heimat für ihr religiöses Gefühl geben.

Wenn wir von Himmel sprechen, dann bringt das eigentlich nichts mehr Neues im Hinblick auf das religiöse Erleben. „Himmel“ weitet nur mittels Sprache, mittels eines Wortes, das religiöse Gefühl der Nahbarkeit Gottes aus. „Himmel“ steht dafür, dass das religiöse Gefühl im Grunde keinen bestimmten Ort außer uns selbst braucht, um uns Gott nahezubringen. Himmel ist kein Ort und er lässt sich auch nicht räumlich festhalten. Himmel ist weder ein Oben über uns noch kein Oben-in-den-Wolken. Himmel ist aber auch nicht einfach der sprichwörtliche freie Himmel der Natur oder der Weltraum. Himmel ist ein Überall, ein In- und Um-Uns.
Und so ist die Himmelfahrt Christi auch kein zu einem bestimmten Zeitpunkt geschehenes Ereignis in dem Sinn, dass da eine tatsächliche Person von unten nach oben geflogen oder „aufgefahren“ ist. „Himmelfahrt Christi“ ist eine Chiffre dafür, dass der nahbare Gott und mit ihm Christus bei uns ist, jetzt und allezeit.

Die Episode aus dem Lukasevangelium, wie wir sie vorhin gehört haben, scheint dagegenzusprechen. Erinnern wir uns: Der Auferstandene leitet seine Rede ein mit der Bemerkung, früher ganz real bei seinen Jüngern gewesen zu sein. Er spricht also jetzt schon nicht mehr in dieser menschlichen Realität zu ihnen. Dass er daraufhin „auffuhr in den Himmel“ und dass die Jünger nicht etwa traurig, sondern sehr froh darüber waren, beweist aber auch hier die Inwendigkeit des Geschehens. Wäre immelfahrt ein vesrHhhHimmelfahrt ein Verschwinden, wäre es nicht positiv gedeutet worden!

Doch leider, nicht immer wurde Gott als nahe empfunden. Es gab auch eine andere Linie, eine eher autoritäre. Hier war Gott vor allem der Allmächtige, der über allen und allem Thronende, der Macht Ausübende. Nicht immer war also das, was man sich unter Gott vorstellte, ein religiöses Gefühl der Nähe.
Und was für Gott galt, das galt natürlich auch für Christus. Folglich bezog sich die autoritäre Gottesidee auch auf Christus. Diese Sichtweise finden wir übrigens auch in unserem Glaubensbekenntnis, wo Jesus Christus dazu ausersehen ist, die Lebenden und die Toten am Ende aller Zeiten nach ihrem Lebenswandel zu beurteilen. Den von Gott eingesetzten Richter Christus finden wir als Relief auf zahlreichen Tympana, den Bildbögen über den Eingangstüren romanischer Kirchen, z.B. im burgundischen Autun oder Vézelay. Wo Christus so gedeutet wird, kann es gar nicht anders sein, da verschwindet der Himmel als ein religiöses Gefühl und wird zum unfassbaren  Raum der Zukunft über uns.

Was mit dieser Sicht einherging: Man sprach von Gott und Christus, als seien hier zwei unterschiedliche Personen am Werke. Gott war der altvordere Erste, könnte man sagen und Christus sein Diener, der nach Gottes Plan irgendwann auf das Erdengeschehen einwirkte und in Gottes Auftrag alles ausführte, was Gott so vorhatte mit der Welt. Auf diese Weise schlich sich der Gedanke der Unterordnung Christi unter Gott ein. Dass der untergeordnete Christus sehr viel Macht erhielt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier so etwas wie eine Hierarchie gab zwischen Gott und Christus. Ein Beispiel dafür ist der heutige Predigttext aus dem Epheserbrief:

Gott hat mit seiner Stärke an Christus gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt und im Himmel an seine Seite gesetzt hat. Über alle existierenden Reiche und Herrscher hat er ihn gesetzt, über alle Machthaber und Herren und überhaupt über jeden Namen, auf den sich wo auch immer berufen wird. Und das gilt nicht allein für diese Welt, die wir kennen und in der wir leben, sondern auch für die, die es in Zukunft geben wird. Alles hat Gott Christus unterworfen und hat ihn zum Oberhaupt der Christenheit eingesetzt, weil nur er im Sinne Gottes vollkommen ist und auch nur er seinen Körper, die Christenheit, vollkommen machen kann.

Hier wird sie ganz deutlich, die Hierarchie zwischen Gott und Christus: Es hat Gottes Stärke gebraucht, Christus von den Toten aufzuerwecken, es war Gottes Werk, Christus an seine Seite zu setzen und ihn über alles in Gegenwart und Zukunft herrschen zu lassen und es war Gottes Idee, Christus als den Vervollkommner der Christenheit wirken zu lassen. Gott hat all diese Anstrengungen unternommen, weil er es so gewollt hat. Christus ist hier nicht der Mensch gewordene Mittler, sondern der strenge Erfüllungsgehilfe göttlicher Befehle. Für heutige Ohren eine ungewöhnliche Betrachtungsweise: Gott und Christus thronen oben, die unerlöste Menschheit ist unten.

Der Epheserbrief ist ein früher, aus dem Ende des 1.Jhdts.n.Chr. stammender Bekenntnistext. Bekenntnistexte sind irgendwo auch Einschwörungstexte. Ihr Ziel ist es, Gläubige bei der Stange zu halten. Es entsprach dem Zeitgeist am Ende des 1.Jhdts., der ersten erfolgreichen Heidenmission, Gott vor allem mit Autorität auszustatten. Dies war das in den Missionsgebieten vertraute Gottesbild, an das man sich anpasste, um die Zuhörer bei ihren Vorstellungen abzuholen, wie man heute sagen würde.

Die immer wieder zu hörende Kritik an der Kirche, dass sie sich an den Zeitgeist anbiedere, läuft also eigentlich ins Leere, denn das hat Kirche immer getan. Sogar, als sie noch nicht einmal richtig „Kirche“ war wie zu Zeiten des Epheserbriefes. Die Aufnahme des Zeitgeistes ist Missionsstrategie, ist der Versuch der Einbettung einer Idee in eine Gesellschaft, Konfrontationen bewirken eher das Gegenteil. Die katholische Kirche mit ihrem unaufgeklärten Menschenbild macht uns doch gerade „wunderbar“ vor, wie man sich unglaubwürdig macht und aus der Gesellschaft entfernt…

Das Phänomen Christi Himmelfahrt mag uns am Ende ungemütlich vielseitig vorkommen. Halten wir uns darum einfach an die Gewissheit, dass Gott zu unser aller Glück keinen bestimmten Ort und keine bestimmte Zeit braucht, um Menschen nahbar zu sein. Ob er nun Christus in seine Funktion eingesetzt hat, Menschen zu guten Christen zu machen oder nicht, und ob wir nun wissen, wie das, was wir Auferstehung nennen, vonstattengegangen sein könnte oder nicht, das ist doch eigentlich ganz egal. Im Wörtchen Himmel ist alles Denkbare wunderbar eingeschlossen und bringt Gott und Christus genau dorthin, wo wir ihn brauchen: ins menschliche Herz.

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Kurz bemerkt
Kleidersammlung für Bethel
vom 7. bis 12. Juni 2021
Gemeindezentrum St. Jakobus
- am Turm -
St.-Jakobus-Platz 2
63741 Aschaffenburg
jeweils von 9 bis 18 h
 Copyright Evang.-Luth. Pfarramt St. Lukas Aschaffenburg