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Liebe Leserin, lieber Leser unserer Homepage,

als Auftakt unserer Seiten möchte ich einmal mit einem Zitat beginnen:

 

„Ich gehe davon aus, dass auch der hoch individualisierte christliche Glaube … nur tradierbar ist, wenn es neben diesem persönlichen Christentum zugleich ein organisiertes kirchliches Christentum gibt, also eine funktionsfähige Kirche, die Sonntag für Sonntag einladende Gottesdienste feiert, durch individualitätsoffene Kasualien – Taufe, Konfirmation, Trauung, Bestattung – überzeugt, sich im politischen Diskurs  auf wenige, aber argumentativ prägnante Interventionen beschränkt und auf eine unfanatische, intellektuell redliche … Kommunikation des Evangeliums setzt.“ (Friedrich Wilhelm Graf, Kirchendämmerung, 187)

 

Friedrich Wilhelm Graf hat Systematische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München gelehrt. Sein kritischer, manchmal auch polemischer Ton gegenüber einer Kirche(nleitung), die sich tendenziell selbstsicher äußerte, was denn christlich, resp. evangelisch sei, hat manchen verärgert.

 

Grafs Buchtitel „Kirchendämmerung“ lässt auch wieder eine gewisse Polemik erkennen,

deutet er doch damit an, dass das Christentum Gefahr läuft, bedeutungslos zu werden, wenn seine Vertreterinnen und Vertreter eine kuschelige Gegenwelt zur „entfremdend erlittenen Moderne“ (S. 62) errichten, indem ihre Verkündigung das Evangelium auf einen „Wohlfühlgott“ (S. 63), die Bewahrung der Schöpfung und die Beschwörung von Gemeinschaft herunterbricht, weil ja der moderne Individualismus so etwas Furchtbares sei.  Eine Volkskirche, deren Mitglieder sehr unterschiedliche Ansprüche an Gottesdienst und Kirche haben, fördere das nun gerade nicht.

 

Ich denke (und das durchaus im Sinne von Graf), Kirche besteht aus lebendigen Menschen und sollte darum deren kritisches Denken ernstnehmen. Sie sollte sich fragen, warum viele Menschen sich abwenden. Könnten sie die Kirche wohl als weltfremd und bevormundend erlebt haben? Kirchenvertreter täten gut daran, angstfrei und nachvollziehbar auszudrücken, welcher Art ihr Gottvertrauen ist. Sie sollten das, was sie aus der christlichen Glaubensurkunde, der Bibel, entnehmen, würdigen, aber kritisch. Der Protestant/die Protestantin darf das!

 

Ich mache zum Glück die Erfahrung, dass es stimmt, wie Graf letztlich resümiert (s. Zitat oben) und habe darum durchaus noch Hoffnung für die „Volkskirche“ der Verschiedenen: Einladende Gottesdienste, in denen das „Evangelium“: die positive Vermittlung vom Sinn des Gottvertrauens, unfanatisch und überlegt weitergegeben wird, werden angenommen. Ich versuche stets, nachvollziehbar auszudrücken, was ich selber glaube. Bei Gesprächen oktroyiere ich nichts auf, suche im Kasualgottesdienst (Taufe, Trauung, Beerdigung) und schon im Gespräch davor, die Menschen „mitzunehmen“ und freue mich über die gar nicht seltene Resonanz, wenn es einfühlsam und verständlich war.

 

Kirche ist fürs Christsein wichtig. Darum sind ihre Angebote nicht zu verachten. Aber man darf und soll dabei ruhig mutig mitdenken.

Ihre Pfarrerin Susanna Arnold-Geißendörfer

 

 

Kurz bemerkt
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