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Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.

Sonntag Reminiscere 28.2.2021

Jesaja 5: Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg

Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen,

ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.

2Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben.

Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter

und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte;

aber er brachte schlechte.

 

3Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas,

zwischen mir und meinem Weinberg!

4Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg,

das ich nicht getan habe an ihm?

Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht,

während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

 

5Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will!

Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahlgefressen werde,

 und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.

 6Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde,

sondern Disteln und Dornen darauf wachsen,

und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

7Des Herrn Zebaoth


Weinberg aber ist das Haus Israel

und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing.

Er wartete auf Rechtsspruch,

siehe, da war Rechtsbruch,

auf Gerechtigkeit,

siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

 

I

Der Weinberg brachte nur schlechte Trauben. In einer alten Übersetzung steht der Begriff Herlinge und mich erinnert das Weinbergslied an meine Kindheit im Weinberg meiner Großeltern, an die mühevolle Arbeit,  wenn man die Pfähle für die Anlagen herauf und herunter schleppen musste, die verbrauchten gegen neue auswechseln, die Grannen in die Pfähle zu hämmern, um die Drahtseile für die Reben zu befestigen. Ich erinnere mich an das Hacken des Bodens und das Unkrautjäten, Schneiden der Reben und die geschnittenen Reben aus dem Weinberg zu tragen. Irgendwann im Laufe des Sommers kam der Geruch der Insektizide und Pestizide dazu die man ausbrachte, um den Weinberg vor Fäule zu schützen, und irgendwann meint man die zunehmende Süße der Trauben zu riechen. Wenn ich Glück hatte, war ich bei der Weinlese dabei und schleppte begeistert die Kufen herunter und leerte die gelesenen Trauben in eine riesengroße Wanne, die auf einem Anhänger befestigt war. Nicht zu vergessen die wunderschönen gemeinsamen Brotzeiten, die dann Zeit ließen den wunderbaren Blick in den weiten Aischgrund zu genießen bei Leberwurstkipfel und Apfelsaft. Bei einer dieser Gelegenheiten fiel mir eine Traube auf, deren Beeren nicht ausgebildet waren, sondern wie kleine Kügelchen am Stiel hingen. Meine Tante sagte, das seinen Herlinge und zitierte automatisch Jesaja 5.

 

 

 

 

II

Wer einmal im Weinberg gearbeitet hat kann die Wut Gottes verstehen. Es macht eine irrsinnige Arbeit, einen Weinberg anzulegen. Bekommt man ihn geschenkt, darf man erwarten, dass sich der Nutzer nun alle Mühe gibt, ihn in Ordnung zu halten und es verlangt ein hohes Geschick und Wissen, aus dem, was man dann aus Trauben auch noch einen guten Wein zu keltert.

Es gibt es Menschen, die das nicht schätzen. Was für eine Enttäuschung, einen Weinberg Menschen zur Verfügung gestellt zu haben, die ihn verschludern haben lassen. Eine entsprechende Pflege hat nicht stattgefunden, er trägt nichts. Man kann ihn wieder der Natur überlassen.  Er ist wertlos geworden. Wir erfahren am Ende dieses „Lieds vom unfruchtbaren Weinberg“, warum der Spruch des Propheten, das die Damaligen als Wort Gottes höhten, so vernichtend ist: Der Prophet nutzt dazu ein Wortspiel, dass sich im Deutschen sogar gut nachmachen lässt. Statt Rechtsspruch sieht der Prophet Rechtsbruch.

Im alttestamentlichen Zusammenhang meint der Prophet damit eine völlig fehlgeleitete Lebensform. Man unterscheidet damals nicht zwischen religiös und säkular: wer den Armen im Gericht über den Tisch zieht, weil der Richter korrupt ist, führt ein Leben, das mit der Achtung Gottes nicht zu tun hat.  Er ist ein Heuchler. Da kann er im Tempel opfern, so viel man will. Solche Opfer will Gott nicht sehen, heißt es an anderer Stelle. Das Gleiche gilt, wenn man mit fremden Göttern und deren Kulte sympathisiert. Tragen nicht die Mädchen deren Talismane als Ohrenschmuck? Man wusste sehr gut, welchen Lebensraum der Prophet mit der Metapher „Weinberg“ bezeichnet. Es ist Jerusalem und das gesamte Land. Das gelobte Land und der Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat. 

Aus der Geschichte wissen wir, warum das Schimpflied des Propheten übermittelt wurde: Er bekam Recht.  Am Ende war das Land wüst. Die Assyrer zerstörten und versklavten. Viele verschwand in den Weiten des assyrischen Großreichs. Für die Zurückgebliebenen müssen Jesajas Worte wie ein Schrei in der Ruhe vor dem Sturm in Erinnerung gekommen sein und wurden deshalb aufgeschrieben.

 

III

Verlassen wir die Welt des Alten Testament. Wir haben in den letzten der letzten Woche einen sternenklaren Himmel. Und mitten in dieser Pracht steht der letzte Vollmond im Winter. Nach dem ersten Vollmond im Frühling ist Ostern. Aber das ist mir in diesem Zusammenhang gar nicht so wichtig. Vielmehr ist es mein Staunen über das, was ich sehe. Man könnte jetzt damit Stunden verbringen, zu beschreiben, was man dort sieht oder das, was man sieht, vielleicht schon gar nicht mehr ist.

Es ist alles ein Wunder könnte man meinen, es ist es aber nicht. Das Wunder ist für mich ein anderes: nach allem, was wir wissen, sind wir Menschen die einzigen Wesen, die reflektieren, was wir sehen. Wir sind die einzigen, die vielleicht nur einen kleinen Bruchteil von dem, was ist begreifen und je mehr wir wissenschaftlich erkunden, desto mehr scheinen wir noch nicht zu wissen. Wenn wir dann den Gedanken hinzufügen, das ist eine Vielzahl von Zufällen hat geben müssen, damit eine Situation entsteht, die so etwas wie einen Menschen hervorbringen kann, und der dann in die Sterne sieht und als einzige Gattung versteht was es sieht, darüber können wir staunen.  In diesem Staunen erkenne ich plötzlich religiöse Gedanken: Leben wir nicht alle in dem Weinberg Gottes, der für uns gemacht ist? Natürlich ist diese Erkenntnis eine religiöse, und in diesem Sinne auch mein eigenes Empfinden und Erleben. Es schadet nicht, wenn wir es zulassen und dem Staunen über Gottes Universum die Demut hinzufügen.

 

IV

 

Plötzlich ist er wieder da, Jesaja mit seinem Lied über den Weinberg und mir ist bewusst, wie wir mit unserem Weinberg umgehen sicher rechnen uns viele vor, dass zwar sehr vieles besser geworden ist der Hunger ist weniger geworden ebenso die Kriege auch die Möglichkeiten die Umwelt zu retten sind gegeben, wir bewältigen eine Pandemie. Doch unsere Assyrer sind nicht Krieger aus dem Norden, es ist das sich verändernde Wetter, böser alte Männer, die Staaten regieren und die Menschen unterdrücken und denen jeder Rechtsbruch recht ist, um recht zu behalten.  Verschwöhrungstheoretiker, die anderen mit bösen Unterstellungen diffamieren, Menschen die körperliche psychische Gewalt ausüben. Ein ambivalentes Bild liefert unser Weinberg. „Ich will den Weinberg verwüsten“ könnte ein zorniger Gott sprechen.

Reminiscere, so heißt dieser Sonntag und sein Name Wochen Psalm, der 25ste, entnommen, wo es heißt: Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Was soll man sagen? Es erklärt sich selbst, unsere Welt zwischen Rechtsbruch, Weinberg und Staunen. Der Aufruf im Psalm lässt uns innehalten und innere Klärung erzeugen. Erinnern, Gedenken, Staunen sortieren und führen weiter.

 

Markus Geißendörfer, Pfarrer

 

 

 

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Kurz bemerkt
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